Mythos Überforderung

Robot Business Man

Dieser Beitrag ist zum ersten mal am 20. Oktober 2019 in meinem bisherigen Blog auf www.sascha-feth.de erschienen.

Gleich vorab: Ja, der Titel ist geklaut! Er stammt vom gleichnamigen Buch von Michael Winterhoff. Das zugehörige Hörbuch habe ich mittlerweile zweimal gehört und ich empfehle es auf jeden Fall weiter. Gleichzeitig hat es mit diesem Beitrag fast nur den Titel gemeinsam (zumindest wenn man es oberflächlich betrachtet).

Fest steht, eine Vielzahl von Angestellten fühlt sich überlastet (laut DBG-Studie). Du gehörst vielleicht auch dazu. Es stellt sich die Frage nach den Ursachen, denn man möchte die Überlastung ja loswerden. Hier drei populäre Meinungen:

  1. Es ist alles schnelllebiger geworden. Smartphones, E-Mails & Messenger halten den Druck hoch, man  muss immer verfügbar sein und ruck-zuck antworten.
  2. Arbeitgeber beuten uns aus. Sie wollen immer nur eins: Noch mehr Profit! Und das müssen wir als Arbeitnehmer schultern.
  3. Wir verhalten uns nicht erwachsen (Michael Winterhoff) und spielen zusätzlich zu viel Theater (Meetings und ähnliches, wunderbar dargestellt im Buch von Lars Vollmer „Zurück an die Arbeit“)

Punkt 2 möchte ich nicht weiter behandeln. Wer wirklich am Rande des Gesetzes ausgebeutet wird, dem wird auch eine gesteigerte Produktivität nicht helfen. Gleichzeitig bin ich überzeugt davon, dass die meisten Menschen in Europa zu fairen Bedingungen angestellt sind. Die Punkte 1 und 3 sind wahr, aber teilweise außerhalb unseres Einflussbereichs. Beide verdienen grundsätzlich auch einen eigenen Beitrag, weshalb ich sie erst mal außer Acht lassen möchte. Stattdessen möchte ich einen vierten Punkt einbringen:

4. Wir haben es nicht gelernt, uns zu organisieren

„“Organization“ for most people is simply an incomplete list, or amorphous piles, of still-unclear commitments.“
– David Allen

Das ist provokant. Dennoch: Gerade wenn du eben heftig mit Ablehnung reagiert hast, möchte ich dabei bleiben: Ich/wir/du haben nicht systematisch gelernt uns selbst zu organisieren. Woher soll es auch kommen? Es gibt kein Schulfach darüber und auch im Elternhaus muss es kaum vermittelt werden. Ein typischer Schüler muss nur dafür sorgen, dass seine Hausaufgaben gemacht sind und vielleicht noch das Haustier versorgt ist. Und wenn es hier mal hapert: Die Eltern springen mit unzähligen Erinnerungen ein oder erledigen es direkt selbst. An der Universität ist dann die erste Umstellung nötig, da einem hier niemand an die Hand nimmt. Im Vergleich zum Arbeitsleben ist das notwendige Maß an Selbstorganisation noch harmlos, da ein gut geführter Kalender fast schon ausreicht.

Schauen wir uns einen typischen Start in einen Arbeitstag an. Einen nervigen Start, gespickt voller Ungeplanter Ablenkungen. Daily Business könnte man sagen.

45 Minuten reichen aus um den Tag entgleisen zu lassen

  • 7:30 Uhr: Auf dem Weg zur Arbeit. „Ich darf nicht vergessen, auf dem Heimweg noch Essen für heute Abend zu kaufen.“
  • 7:50 Uhr: Auf dem Parkplatz angekommen: „Ich muss noch einen Termin für den Reifenwechsel vereinbaren.“
  • 8:00 Uhr: Ein Post-It begrüßt uns am Schreibtisch. Kollegin Susi bittet um einen Gefallen.
  • 8:10 Uhr: Erst mal E-Mails lesen! 30 Stück. Die ersten beiden sind belanglos, dann eine Bitte vom Kollegen Bernd (Antwort ist jetzt zu aufwändig, machen wir später). Im weiteren Verlauf weitere Belanglosigkeiten, einige Mails, die wir direkt beantworten, und weitere, die wir aufschieben. Achim benötigt dringend eine Antwort, die wir uns aber zuerst bei Steffi holen müssen.
  • 8:30 Uhr: E-Mails sind erst mal durchforstet, jetzt gönnen wir uns einen kurzen Blick aufs Handy. WhatsApp-Nachricht vom Schatz: Bitte noch Kinokarten für morgen reservieren. Kein Problem, machen wir nachher.
  • 8:35 Uhr: Der Blick fällt zurück auf den Monitor und damit auf Susis Post-It. Sie möchte etwas gegengelesen haben. Machen wir direkt; es muss nur ausgedruckt werden. Mist, wo lag die Datei nochmal?
  • 8:36 Uhr: Gedanke auf dem Weg zum Drucker „Zu Hause sind die Druckerpatronen leer“. Selbstverständlich spricht uns unterwegs Sophie an und bittet um einen Gefallen.
  • usw.

Was wir daraus ablesen können? 45 Minuten können ausreichen, um einen Wust an Aufgaben und Kleinigkeiten zu erzeugen, die zwar alle nicht höchste Priorität haben, aber auch keinesfalls vergessen werden dürfen. Bereits jetzt hat der Tag alle Anlagen, um im Chaos zu enden. Ich habe bewusst den Chef noch außen vor gelassen. Sein Auftreten ist quasi immer mit höchster Dringlichkeit und Priorität verbunden. Diese Herausforderung bekommt demnächst einen eigenen Beitrag.

Raus aus dem reaktiven Modus!

Ohne sehr diszipliniertes Selbstmanagement entscheidet der Zufall, was wir vergessen werden und was nicht. Kommen wir wirklich mit Abendessen und reservierten Kinokarten zurück, die wir zu Hause ausdrucken können? Steht der Termin zum Reifenwechsel? Haben wir Susi, Bernd, Achim und Sophie genüge getan? Haben wir die Aufgaben erledigt, die eigentlich erledigt werden sollten, bevor es zu all den Zwischenrufen kam?

Hand aufs Herz: Wie viele dieser Fragen sind an einem typischen Tag mit nein zu beantworten?
Falls es mindestens ein Nein gab: Was ist die Ursache? Die anderen, weil sie uns Aufgaben aufdrücken? Das wäre die leichteste Antwort. Wer sich mit ihr zufrieden gibt, ist möglicherweise mit sich selbst im Reinen – auf unreflektierte Art und Weise. Gleichzeitig wird dieser jemand wohl weiterhin ständig genervt vom seinem Umfeld sein. Dessen Schnelllebigkeit und der scheinbare Wunsch unseres Chefs immer mehr Aufgaben in immer weniger Zeit zu erledigen.

Sieh es ein: Das Problem bist du!

Was wäre, wenn du selbst die Ursache für das Problem bist. Klingt wenig ehrenhaft, ja! Dafür gewinnst du die Chance, dieser Situation zu entkommen, denn du selbst kannst dich ändern. Was tun also?

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Du bist das einzige Problem, das du jemals haben wirst dun du bist die einzige Lösung

Wenn Du an dir selbst arbeitest, dann kannst Du mit solchen Situationen bald spielend umgehen und allen Wünschen und Bitten nachkommen, ohne dabei ein Gefühl der Überlastung zu verspüren. Naheliegend die Frage – wie geht das?
Folge meiner Taktik! Ich habe an ihr viele Jahre gefeilt und möchte sie hier im Blog gerne an euch weitergeben.

  • Schritt 1: Gehe bewusst durch den Tag und hinterfrage deine Reaktion auf solche Situationen. Rufe dir ins Gedächtnis, dass deine Stimmung immer deine Reaktion auf die Umwelt ist.
  • Schritt 2: Lies weiter! In den folgenden Wochen werde ich dir viele kleine, einfache Tipps geben. Gemeinsam können wir so vielen Fallen aus obigem Beispiel entschärfen. Setz‘ dir also eine Erinnerung ins Handy: „einmal pro Woche nebenbei-produktiv.de lesen„. In jedem Beitrag wird es einen einfachen Tipp geben, den du direkt umsetzten kannst und sofort die guten Resultate spüren wirst.

4 Gedanken zu „Mythos Überforderung“

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